Verhaltenssüchte

Projektbeschreibung

Verhaltenssucht ist ein relativ neuer Begriff für exzessive, belohnende Verhaltensweisen, die Merkmale einer psychischen Abhängigkeit aufweisen. Die Bezeichnung Verhaltenssucht macht die Handlungen des Nutzers, d.h. die Nutzung, und nicht das Mittel (oder Medium) zum Objekt der Pathologie. Ein Fortschritt im Sinne der Anerkennung der Verhaltenssüchte als klinische Entität ist, dass in der neusten Auflage des DSM V Verhaltenssüchte explizit mit aufgenommen wurden. So erhielt das bisherige Kapitel „Substance-related Disorders“ eine neue Bezeichnung und zwar „Addiction and Related Disorders“. Hier wurde auch die Glücksspielsucht als erste Verhaltenssucht integriert.
Andere Verhaltenssüchte fanden bisher noch keine explizite Berücksichtigung, jedoch wurde z.B. die pathologische Internetnutzung im Anhang des DSM aufgeführt, was als Anregung dient, die weitere Forschung zu stimulieren.
Das vorliegende Forschungsprojekt will hierzu einen Beitrag leisten, indem zum einen die Internetsucht und zum anderen die Sexsucht hinsichtlich ihrer Ätiopathogenese näher erforscht werden sollen.

Projektziele

Eine der im Zusammenhang mit der Internetsucht bereits seit vielen Jahren diskutierte Frage betrifft die der Eigenständigkeit der Störungsbilds: Ist die „Internetsucht“ eine eigenständige klinische Entität oder vielmehr ein Begleitsymptom anderer psychischer Erkrankungen? Hier kann zum einen die neurobiologische Forschung zu Antworten beitragen, die den Fokus auf Untersuchungen zur Frage der Äquivalenz von substanzgebundenen Süchten und Verhaltenssüchten hat. Zum anderen kann aber auch die Bindungsforschung herangezogen werden. So hat eine Studienserie zum Ziel, den Zusammenhang von Bindungsstilen und problematischem Internetnutzungsverhalten zu untersuchen. Im Sinne der Methodentriangulation wird zum einen ein quantitativer (Fragebogenstudie), zum anderen ein qualitativer Zugang (Rorschach-Test) gewählt.
Zur Sexsucht liegen vergleichsweise mehr empirische Untersuchungen zu Ätiopathogenese vor. Allerdings fehlen Studien unter geschlechtsspezifischer Perspektive. Dieses Forschungsdesiderat soll mit einer multimethodalen Studie (Fragebogenverfahren; anschließend Interviews ausgewählter Fälle) ein Stück weit geschlossen werden.

Projektleitung
Univ.-Prof. Dr. Christiane Eichenberg

Projektteam
Marie-Theres Haas BSc.
Winnie Posselt BSc.

Projektstatus
laufend

Kontakt E-Mail
eichenberg@sfu.ac.at

Publikationen
Eichenberg, C., Dyba, J., & Schott, M. (2017). Bindungsstile, Nutzungsmotive und Internetsucht. Psychiatrische Praxis, 1, 41-46.