Paedophilie

Dieses Forschungsprojekt wird fakultätsübergreifend von der Fakultät Psychotherapiewissenschaft und der Fakultät Psychologie durchgeführt.

Projektleitung
Univ.-Prof.in Dr.in Brigitte Sindelar
Lisa Landsteiner MSc

Projektteam
Anita Mold, BA pth
Berenike Kolmer

Projektbeschreibung
Inhalt des Projekts sind zwei einander ergänzende Untersuchungen, wovon sich eine mit strafrechtlich verurteilten pädophilen Tätern, die andere mit Expertinnen und Experten, die in der psychosozialen Beratung und Psychotherapie pädophiler Personen tätig sind.

  1. Persönlichkeitsprofile von pädophilen Straftätern:

Pädophile Täter werden in der Literatur unterschiedliche Persönlichkeitsprofile zugeordnet, die aus einer hermeneutischen Sichtweise entwickelt wurden (zum Beispiel Friedrich, 2001). Aktuelle Forschungsergebnisse der MIKADO-Studie, einem Forschungsprojekt der Universität Regensburg (MIKADO-Studie), das in einem interdisziplinären Netzwerk in Deutschland und Finnland durchgeführt wurde und an dem insgesamt 28.000 Erwachsene und mehr als 2000 Kinder und Jugendliche teilnahmen, zeigen unter vielen anderen Ergebnissen Verhaltensmerkmale von pädophilen Personen auf.

Die Forschungsfrage in diesem Projekt fokussiert auf die Fragestellung, ob bei pädophilen Männern Gemeinsamkeiten im Persönlichkeitsprofil nicht nur auf der Verhaltensebene, sondern auch, ausgehend von einem individualpsychologischen psychoanalytischen Verständnis, in der Psychodynamik zu finden sind.

Dies wird an einer Gruppe von wegen Pädophilie strafrechtlich verurteilten Männern empirisch untersucht. Zum Einsatz kommt dabei zur Erfassung der Verhaltensebene ein störungsspezifischer Selbstbeurteilungsfragebogen (MSI – Multiphasic  Sex Inventory; (Nichols, Molinder & Deegener, 1996), der psychosexuelle Merkmale bei Sexualstraftätern erfasst. Zur Erfassung der Psychodynamik und der strukturellen Persönlickeitsmerkmale wird der Rorschach-Test verwendet, der gegen Verfälschungen durch Antworten in Richtung sozialer Erwünschtheit oder andere beabsichtigte oder unbeabsichtigte Beeinflussungen durch die Untersuchten immun ist.

  1. Psychosoziale Interventionsarbeit bei Personen mit Pädophilie

Aufgrund der starken gesellschaftlichen Stigmatisierung und der Anforderung, sexuelle Bedürfnisse lebenslang nur eingeschränkt ausleben zu können, stellen Personen mit Pädophilie eine besondere Klientel dar. Die Untersuchung fokussiert die Schwierigkeiten und Erfolge im therapeutischen und Beratungssetting von pädophilen Personen mittels Leitfadeninterviews, die mit in der Beratung und in der Psychotherapie Tätigen durchgeführt werden. Erfasst werden soll, wie sich die Zusammenarbeit gestaltet, welches Bild von Pädophilie sich in der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Tabu in den Erzählungen der pädophilen Personen konstituiert und welche Ausbildungs- und Interessenswege zu dieser Klientel geführt haben.

Projektstatus
laufend

Voraussichtliches Projektende
Jänner 2018

Kontakt
brigitte.sindelar(a)sfu.ac.at

lisa.landsteiner(a)sfu.ac.at