Geschichte und Historiographie der Psychoanalyse und Psychotherapie

Projektleitung
Univ.Prof. Dr. Johannes Reichmayr

Die Geschichte der Psychotherapie im 20. Jahrhundert in Österreich ist eng verknüpft mit der Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, wobei die Entwicklungen Wien und Berlin in eine besondere Bedeutung haben. Verschiedene historiographische Materialien der psychoanalytischen Bewegung und der Psychotherapie eröffnen, eingebettet in einen zeitgeschichtlichen Kontext, neue Perspektiven auf die Verbindungen von Psychoanalyse und Psychotherapie und angrenzende Disziplinen und Praxisfelder. Der archivalischen Bestand der Sigmund Freud Privatuniversität, aus der sich verschiedene Untersuchungen speisen, umfasst Materialien aus verschiedenen Collections der Library of Congress, der Otto Fenichel Papers aus der Library of Special Collections der University of California in Los Angeles, des Wilhelm-Reich-Archivs an der Harvard Medical Library an der Harvard University in Boston und besteht auch aus eigenen Sammlungen.

Otto Fenichel und die Anfänge der Körperpsychotherapie

Mit der erstmaligen Veröffentlichung seiner psychoanalytischen Untersuchung zur Reform-Gymnastik von Elsa Gindler aus dem Jahr 1927 konnte Otto Fenichel in die Reihe der Gründerväter der Körperpsychotherapie gestellt werden. Sein Text ist im Buch „Otto Fenichel, Psychoanalyse und Gymnastik“ enthalten. Dieser Beitrag wurde im selben Band von verschiedenen Fachvertretern gewürdigt und in seiner wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung und als Beitrag zur aktuellen Debatte zur Körperpsychotherapie hervorgehoben.

Fenichel, Otto (2015): Psychoanalytische Untersuchungen über die Wirkungsweise der Gymnastik. In: Reichmayr, Johannes (2015) (Hg.): Otto Fenichel. Psychoanalyse und Gymnastik. Herausgegeben und eingeleitet von Johannes Reichmayr. Gießen (Psychosozial-Verlag), 19-73.

Eine historiographische Rarität und filmographische Sensation des Achivs ist ein Kurzfilm, den Siegfried Bernfld im Sommer 1928 am Grundlsee zeigt. Er wurde kontextualisiert und beschrieben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Reichmayr, Johannes (2016): Edith Kramer in Gesellschaft am Grundlsee im Sommer 1928 – Ein Filmdokument. In: Edith Kramer. Pionierin der Kunsttherapie. Wien, New York, Grundlsee. Kunst-, Mal- und Gestaltungstherapie in Österreich. Wien, Graz, Klagenfurt (Styria), 112 – 114.

Eine Auswahl an Materialien unseres Archivs

Unveröffentlichte Briefe Siegfried Bernfeld‘s an Liesl Neumann-Viertel (1922 bis 1925 und 1932 bis 1934).

Teilveröffentlichungen von Briefen bzw. Briefauszügen:

Reichmayr, Johannes (1992a): „Patienten, Bücher, Kurse nehmen mir den Liebesfederstiel“. Siegfried Bernfeld als Psychoanalytiker in Wien in seinen Briefen an Elisabeth Neumann (1922-1925). In: Fallend, Karl/Johannes Reichmayr (Hg.): Siegfried Bernfeld oder Die Grenzen der Psychoanalyse. Materialien zu Leben und Werk. Frankfurt am Main (Stroemfeld/Nexus), 107-128.

Reichmayr, Johannes (1992b) Rückkehr nach Wien (1932-1934). In: Fallend, Karl/Johannes Reichmayr (Hg.): Siegfried Bernfeld oder Die Grenzen der Psychoanalyse. Materialien zu Leben und Werk. Frankfurt am Main (Stroemfeld/Nexus), 203-221.

Otto Fleischmann – Biographie
Der Psychoanalytiker Otto Fleischmann war in der Zeit des Nationalsozialismus in Ungarn im Widerstand und nach dem Zweiten Weltkrieg an die USA emigriert. Sein Nachlass ist bisher nicht ausgewertet worden.

Anni Bergman – Biographie
Anni Bergman hat die frühe, moderne und aktuelle Säuglingsforschung miterlebt, mitgetragen und mitgestaltet und hat im Sommersemester 2013 als Gastprofessorin an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien in einer „Anni Bergman Vorlesung“ über ihr Lebenswerk in Englisch und Deutsch berichtet. Zur Bearbeitung ihrer Biographie stehen Materialien des Archivs zur Verfügung.

Kontakt
johannes.reichmayr@sfu.ac.at