“Enorm in Form”

Effekte einer interdisziplinären Therapie von Adipositas im Kindesalter auf inflammatorische und immunologische Prozesse

Übergewicht und Adipositas im Kindesalter stellen weltweit ein zunehmendes gesundheitspolitisches und gesundheitsökonomisches Problem dar. Nach Daten des Österreichischen Ernährungsberichtes sind allein in Wien 10.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind Übergewicht und Adipositas mit körperlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen verbunden, die zu verkürzter Lebenszeit, gesundheitlichen Belastungen und einer Verminderung der Lebensqualität führen. Darüber stellt Adipositas den wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes mellitus und kardiovaskulären Erkrankungen im späteren Leben dar. Der Kampf gegen Übergewicht und Adipositas im Kindesalter und die Verhinderung von Folgeerkrankungen hat somit eine zentrale Rolle in der Gesundheitsvorsorge.

Die Fettgewebsentzündung im Rahmen der Adipositas ist der entscheidende Mechanismus in der Entstehung von Folgeerkrankungen wie Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2 und kardiovaskulären Erkrankungen. Im Erwachsenenalter kann durch Lebensstilmodifikation und Gewichtsreduktion der chronische subklinische Entzündungsprozess aufgehalten und in Folge das Risiko für Folgeerkrankungen gesenkt werden. Umfassende Daten zur Beeinflussbarkeit inflammatorischer und immunologischer Prozesse durch frühzeitige Therapie von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind jedoch bislang nicht vorhanden.

Mit der Initiative „Enorm in Form“ hat die Wiener Gebietskrankenkasse ein neues interdisziplinäres ambulantes Therapieangebot für adipöse Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren gestartet. Damit soll stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen geholfen werden, auf lange Sicht Gewicht zu verlieren. Über einen Zeitraum von 6 Monaten erfolgt eine umfassende medizinische, psychologische, psychotherapeutische, diätologische und sportwissenschaftliche Betreuung durch ein interdisziplinäres Team. Durch standardisierte Eingangs- und Abschlussuntersuchungen kann der Therapieerfolg für jedes teilnehmende Kind beurteilt werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes soll der Effekt dieser interdisziplinären ambulanten Therapie auf chronische Entzündungsprozesse untersucht werden. Die Forschungshypothese ist, dass durch eine erfolgreiche Intervention bei Kindern neben einer Gewichtsreduktion auch ein Rückgang der chronischen subklinischen Entzündung erreicht werden kann. Dazu werden neben etablierten laborchemischen Entzündungsparametern neue inflammatorische und immunologische Marker untersucht. Mittels Multiplex-Zytokin-Assay, extensiver Immunphänotypisierung und Expressionsanalysen von isolierten Immunzellen soll der Effekt der Therapie auf immunologische und inflammatorische Prozesse umfassend beurteilt werden; dabei werden geschlechtsspezifische Unterschied besonders berücksichtigt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden zum besseren Verständnis pathogenetischer Prozesse im Rahmen von juveniler Adipositas beitragen und somit helfen, künftige Ansätze zur Therapie und Tertiärprävention übergewichtiger Kinder zu verbessern.

Projektpartner
Prim. Priv.-Doz. Dr. Matthias Mayerhofer, MBA
Zentrallabor, Hanusch Krankenhaus und Laborverbund der WGKK

Univ.-Doz.in Dr.in Claudia Wojnarowski
Gesundheitszentrum Wien-Nord der WGKK

Dr. Stefana Holocher-Ertl
Sigmund Freud PrivatUniversität Wien

Dr. Gregor Hörmann
Univ.-Prof. Dr. Harald Esterbauer
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Martin Bilban
Core Facility Genomics, Medizinische Universität Wien

Projektstatus
laufend

Über eine Laufzeit von zwei Jahren werden Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer im Rahmen des Projektes rekrutiert. Die immunphänotypische Charakterisierung von Immunzellen wird kontinuierlich durchgeführt. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt der ersten Projektperiode auf der Messung inflammatorischer Zytokine. Expressionsanalysen von Monozyten mittels RNA Sequenzierung werden in der zweiten Projekthälfte durchgeführt.

Nach einer Laufzeit von einem Jahr und nachdem die ersten Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer die 6 monatige Therapieperiode abgeschlossen haben werden, wird eine Zwischenevaluierung der Ergebnisse durchgeführt. Die statistische Auswertung der Ergebnisse mit besonderer Berücksichtigung der Gender-Unterschiede erfolgt am Ende der zweijährigen Projektlaufzeit, nachdem alle Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern die Therapieperiode abgeschlossen haben.

Kontakt E-Mail
stefana.holocher-ertl@univie.ac.at